Getreidefreies Katzenfutter – Sinnvoll oder nur ein Trend?
„Getreidefrei" steht groß auf immer mehr Katzenfutter-Verpackungen. Aber brauchen Katzen das wirklich? Als obligate Karnivoren (reine Fleischfresser) können Katzen mit Getreide tatsächlich wenig anfangen. Doch das Thema ist komplexer als die Werbung suggeriert.
Warum Getreide im Katzenfutter problematisch sein kann
Katzen sind von Natur aus auf tierisches Protein angewiesen. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, Fleisch zu verwerten – nicht Kohlenhydrate aus Getreide.
- Kurzer Verdauungstrakt: Katzen können pflanzliche Stärke schlechter aufschließen als z.B. Hunde.
- Wenig Amylase: Das Enzym zum Stärkeabbau ist bei Katzen kaum vorhanden.
- Allergieauslöser: Weizen und Mais gehören zu den häufigsten Futtermittelallergenen bei Katzen.
- Billiger Füllstoff: Getreide wird in minderwertigem Futter oft als günstiger Streckmittel eingesetzt – statt hochwertigem Fleisch.
💡 Gut zu wissen: Nicht jedes Getreide ist gleich. Reis wird von vielen Katzen gut vertragen und ist leichter verdaulich als Weizen oder Mais. Kleine Mengen Reis im Futter sind selten ein Problem.
Getreidefrei ≠ automatisch hochwertig
Hier liegt der größte Irrtum: Nur weil „getreidefrei" draufsteht, ist das Futter nicht automatisch gut. Viele getreidefreie Futter ersetzen Getreide einfach durch:
- Kartoffeln oder Süßkartoffeln – ebenfalls stärkereich
- Erbsen und Linsen – pflanzliches Protein, das den Fleischanteil künstlich hochtreibt
- Tapioka – reiner Füllstoff ohne Nährwert
Worauf es wirklich ankommt:
- Hoher Fleischanteil (mindestens 60%, besser 70%+)
- Deklariertes Fleisch (z.B. „Hühnerfleisch" statt „tierische Nebenerzeugnisse")
- Wenig pflanzliche Bestandteile insgesamt
- Kein Zucker, keine künstlichen Farb- und Konservierungsstoffe
Wann getreidefreies Futter wirklich sinnvoll ist
✅ Sinnvoll bei:
- • Nachgewiesene Getreide-Allergie oder -Unverträglichkeit
- • Chronische Verdauungsprobleme (Durchfall, Blähungen)
- • Übergewichtige Katzen – weniger Kohlenhydrate helfen beim Abnehmen
- • Diabetiker-Katzen – niedrigerer glykämischer Index
⚠️ Nicht zwingend nötig bei:
- • Gesunden Katzen ohne Beschwerden
- • Futter mit nur geringem Reisanteil
- • Wenn das aktuelle Futter gut vertragen wird
Deklaration lesen – So erkennst du Getreide
Folgende Zutaten auf der Verpackung weisen auf Getreide hin:
| Zutat | Bewertung |
|---|---|
| Weizen / Weizenmehl | ❌ Häufiger Allergieauslöser |
| Mais / Maisgluten | ❌ Billiger Füllstoff |
| Gerste | ⚠️ Mäßig verträglich |
| Reis | ✅ Gut verträglich, glutenfrei |
| Hafer | ⚠️ Enthält Gluten-ähnliche Proteine |
| „Getreide und pflanzl. Nebenerzeugnisse" | ❌ Intransparent – Finger weg |
Unsere Empfehlung
Achte weniger auf das Label „getreidefrei" und mehr auf die Gesamtzusammensetzung. Ein Futter mit 70% Fleisch und 5% Reis ist besser als ein getreidefreies Futter mit 40% Fleisch und 30% Kartoffel.
In unserem Katzenfutter-Vergleich bewerten wir alle Produkte nach Fleischanteil, Deklaration und Preis-Leistung – egal ob getreidefrei oder nicht.
Falls du deine Katze auf ein neues Futter umstellen möchtest, lies unseren Schritt-für-Schritt-Guide zum Futterwechsel.
Getreidefrei und Herzgesundheit: die DCM-Diskussion
Vielleicht hast du gelesen, dass getreidefreies Futter mit der Herzerkrankung DCM (dilatative Kardiomyopathie) in Verbindung gebracht wird. Wichtig zur Einordnung: Diese Debatte stammt überwiegend aus dem Hundebereich (eine FDA-Untersuchung in den USA). Für Katzen gibt es dafür keinen belegten Zusammenhang. Bei Katzen ist der entscheidende Faktor fürs Herz das Taurin – eine Aminosäure, die sie nicht selbst ausreichend bilden können. Ein gutes Katzenfutter muss Taurin enthalten, ganz unabhängig davon, ob es Getreide führt oder nicht. Achte also weniger auf das Schlagwort und mehr darauf, dass Taurin und ein hoher Fleischanteil deklariert sind.
Nass- oder Trockenfutter – getreidefrei besser?
Getreidefreies Nassfutter ist meist die naheliegendere Wahl: Es hat von Natur aus einen hohen Fleisch- und Wasseranteil und kommt leichter mit wenig Kohlenhydraten aus. Getreidefreies Trockenfutter braucht dagegen immer einen gewissen Stärkeanteil, damit die Kroketten überhaupt zusammenhalten – hier wird Getreide oft nur durch Kartoffel oder Erbse ersetzt. Ein Blick auf den Kohlenhydratgehalt lohnt sich also gerade bei getreidefreiem Trockenfutter. Mehr zum grundsätzlichen Vergleich liest du unter Nassfutter vs. Trockenfutter.
📌 Zusammenfassung
Getreidefreies Katzenfutter ist bei Allergien und Unverträglichkeiten sinnvoll, aber kein automatisches Qualitätsmerkmal. Achte vor allem auf hohen Fleischanteil, transparente Deklaration und wenig pflanzliche Füllstoffe. Reis in kleinen Mengen ist für die meisten Katzen unbedenklich.
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Häufig gestellte Fragen
Brauchen Katzen wirklich getreidefreies Futter?
Katzen sind obligate Karnivoren und können mit Getreide wenig anfangen – zwingend nötig ist getreidefreies Futter für eine gesunde Katze aber nicht. Entscheidend ist ein hoher Fleischanteil und wenig pflanzliche Füllstoffe insgesamt. Wichtig wird ein getreidefreies Futter vor allem bei nachgewiesener Allergie oder Verdauungsproblemen.
Ist getreidefreies Katzenfutter automatisch hochwertiger?
Nein, das ist der größte Irrtum. Viele getreidefreie Futter ersetzen Getreide einfach durch Kartoffeln, Erbsen oder Tapioka – ebenfalls stärkereiche Füllstoffe. Ein Futter mit 70 % Fleisch und etwas Reis ist besser als ein getreidefreies mit nur 40 % Fleisch und viel Kartoffel.
Ist Reis im Katzenfutter schlecht?
Nein. Reis ist glutenfrei, leicht verdaulich und wird von den meisten Katzen gut vertragen. Kleine Mengen Reis im Futter sind selten ein Problem – anders als Weizen oder Mais, die häufiger Allergien auslösen.
Ist getreidefreies Futter für Katzen schädlich (Stichwort DCM)?
Die Diskussion um getreidefreies Futter und die Herzerkrankung DCM stammt vor allem aus dem Hundebereich (FDA-Untersuchung). Für Katzen gibt es keinen belegten Zusammenhang. Entscheidend für die Herzgesundheit der Katze ist genügend Taurin – das muss in jedem guten Katzenfutter enthalten sein, egal ob mit oder ohne Getreide.
Woran erkenne ich Getreide auf der Verpackung?
Achte auf Begriffe wie Weizen, Weizenmehl, Mais, Maisgluten, Gerste oder Hafer. Besonders intransparent ist die Sammelangabe Getreide und pflanzliche Nebenerzeugnisse – davon lässt du besser die Finger. Reis dagegen ist unbedenklich.
Steffi
Hobby-Katzenhalterin aus Leidenschaft. Lebt mit zwei Maine Coon Katern – Raomi und Venko. Teilt hier ehrliche Erfahrungen und praktische Tipps rund um Wohnungskatzen.
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